Die Schleierkobolde

Der Schleierkobold erscheint überall dort, wo eine Zwangsheirat droht. Nichts verabscheut er so sehr wie eine Verbindung ohne Liebe. Einige Tage vor der Eheschließung zeigt er sich, in stets wechselnder Gestalt, und fragt die Verlobten heimlich, ob die Ehe gerecht und gewollt sei.

Ist einem der beiden die Verbindung unrecht, bietet er einen Handel an: ein Lumpenkleid und ein einzelnes Haar der unglücklichen Seele. Im Gegenzug verspricht er, die Vermählung zu verhindern.
Daraus entstand der Brauch, dass Verwandte am Vorabend der Hochzeit Lumpen an ihre Türen hängen.

Am Tage der Zeremonie tritt der Kobold dann als die unglückliche Person selbst auf, meist unter dem Schleier der Braut. Kurz vor dem Höhepunkt der Feier entzaubert er sich, zeigt sein wahres Gesicht und bricht die Hochzeit mit hässlichem Gelächter und unflätigen Gesten ab.

Sind beide Beteiligten unglücklich, übernimmt er die Rolle des Priesters und singt spöttische Lieder, bis jegliche Feierlaune erlischt. Und fast immer fehlt nach seiner Anwesenheit auch die eine oder andere Leckerei vom Festmahl.

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